Architektur in Hamburg Jahrbuch 2013

Unter der Überschrift „Elegante Box im Gewerbegebiet” berichtet das Architektur in Hamburg Jahrbuch 2013.
Aufstockung einer Lagerhalle in Langenhorn
Anspruchsvolle zeitgenössische Architektur erwartet man in Langenhorn, das von banalen Nachkriegssiedlungen geprägt wird, eher nicht – zumal nicht am Tarpenring, wo sich mittelständisches Gewerbe angesiedelt hat. Repräsentation spielt hier keine Rolle. Gebaut wurde offenbar immer nur so viel, wie gerade benötigt wurde. Die Grundstücke wirken deshalb ungeordnet und sind mit allerlei Gerät und Material vollgestellt. Umso erstaunlicher, dass in diesem Umfeld eine Gerüstbaufirma den Mut gefunden hat alles ganz anders zu machen als die Handwerksmeister in der Nachbarschaft. Die Aufstockung einer Lagerhalle mit einer Büroetage für die Verwaltung stand an, und der Juniorchef ergriff die Chance, seiner Firma, die so prominente Unternehmen wie den Hamburger Flughafen zu ihren Kunden zählt, ein architektonisches Facelifting zu verleihen.

Die ehemals frei tragende Halle wurde statisch ertüchtigt und erhielt eine neue Fassade aus geflammten hellgrauen Ziegeln in "Dänenoptik", hinter der sich das ursprüngliche Mauerwerk verbirgt. Hier sind jetzt neben Lagerflächen auch die Sozialräume untergebracht. Darüber erhebt sich das neue Verwaltungsgeschoss: ein dreiseitig auskragender Quader, der mit dunkelgrauen Eternitplatten verkleidet ist und an den Längsseiten durch Loggien mit bodentiefen Fenstern aufgebrochen wird. Besondere Sorgfalt galt hier der Detaillierung der kompakten Fassadenprofile, die durchgängig die gleiche Breite aufweisen sollten. Da an der Ostseite auf die Auskragung zugunsten einer Stirnwand verzichtet wurde, beschreibt das Fassadenprofil eine signifikante "Schleife" – wodurch zugleich eine Art Fassadenschlitz entstand, der eine elegante Integration des Haupteingangs und der Innentreppe ermöglichte.

Der Anspruch an den Innenausbau des neuen Verwaltungsgeschosses korrespondiert mit dem Äußeren. Hier entstand eine großzügige, loftartige Raumsituation, in der nur die Treppe, die Sanitärräume und zwei Reihen schlanker, runder Stahbetonstützen Fixpunkte setzen. Wegen der großen Gebäudetiefe ergab sich zwangsläufig eine sehr breite Mittelzone, die lediglich von oben direkt belichtet wird und sich für die Garderobe, Server und Kopierer sowie den Besprechungsraum anbot, der rundum rahmenlos verglast ist. Ansonsten gibt es in diesem Bereich nur offene Kojen mit dreiviertel hohen Wänden, sodass das Kontinuum der Deckenfläche ungestört bleibt. Auch die Büroräume öffnen sich mit Glastüren und bodentief verglasten Wandeinschnitten zur Mittelzone hin, was die Kommunikation fördert. Man sieht sofort, wer kommt oder geht oder sich gerade nicht an seinem Arbeitsplatz aufhält.

Die Wand am Treppenaufgang und die Innenstützen zeigen den nackten Beton, der Fußboden besteht aus Eichenparkett, die übrigen Flächen sind weiß gestrichen. Die Architekten hätten zwar eine konsequentere "Rohbauoptik" bevorzugt, dem stand aber das Veto des Seniorchefs entgegen. Geschadet hat es nicht. Das Holz setzt einen wohltuhend warmen Akzent, zumal die Einrichtung ausgesprochen cool ist: Schreibtische von Egon Eiermann, Stühle von Charles Eames im Besprechungsraum – mit weißem Lederbezug! –, die berühmten kubischen Sessel von Le Corbusier am Empfang.

Text: Ralf Lange
Fotos: Jürgen Schmidt 

Bilddunterschriften
1+2 Die ehemals frei tragende Halle wurde statisch ertüchtigt und erhielt eine neue Fassade aus geflammten hellgrauen Ziegeln in „Dänenoptik”.
3+4 Die Büroräume öffnen sich mit Glastüren und bodentief verglasten Wandeinschnitten zur Mittelzone.

© 2013 bei Junius Verlag GmbH

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